top of page

Validierung – Warum Verstandenwerden oft mehr verändert als ein guter Rat

  • 24. Juni
  • 4 Min. Lesezeit
Zwei Hände berühren sich behutsam und symbolisieren Vertrauen, Verständnis und emotionale Verbundenheit. Das Bild steht für Validierung, Mitgefühl und die Bedeutung wertschätzender Beziehungen im zwischenmenschlichen Miteinander.

„Ich wollte gar keine Lösung. Ich wollte einfach, dass mich jemand versteht.“


Vielleicht hast Du diesen Satz selbst schon einmal gedacht oder sogar ausgesprochen. Vielleicht erinnerst Du Dich an ein Gespräch, nach dem Du nach Hause gegangen bist und gemerkt hast, dass Dich gar nicht das Problem am meisten belastet hat, sondern das Gefühl, mit Deinen Gedanken und Gefühlen nicht wirklich gesehen worden zu sein.


Dabei wünschen sich die meisten Menschen nicht als Erstes einen Ratschlag. Sie suchen auch nicht immer nach einer schnellen Lösung. Viel häufiger sehnen sie sich nach einem Gegenüber, das aufmerksam zuhört, ohne vorschnell zu bewerten oder das Erlebte kleinzureden. Jemanden, der signalisiert: „Ich kann nachvollziehen, warum Dich das bewegt.“


Genau darin liegt die Kraft der Validierung.


Was bedeutet Validierung eigentlich?


Der Begriff Validierung stammt vom lateinischen Wort validus und bedeutet so viel wie „für gültig erklären“ oder „als berechtigt anerkennen“. In der Psychologie beschreibt Validierung die Fähigkeit, die Gefühle, Gedanken oder Erfahrungen eines Menschen ernst zu nehmen und sie als aus seiner persönlichen Lebensgeschichte heraus nachvollziehbar zu betrachten.


Dabei wird häufig etwas missverstanden. Validierung bedeutet nicht, automatisch derselben Meinung zu sein oder jedes Verhalten gutzuheißen. Es geht vielmehr darum, das emotionale Erleben eines Menschen anzuerkennen. Zwischen den Sätzen „Ich verstehe, warum Du Dich gerade so fühlst.“ und „Du hast recht.“ besteht ein großer Unterschied.


Wer sich verstanden fühlt, erlebt häufig zum ersten Mal, dass die eigenen Gefühle einen Platz haben dürfen – ohne sich rechtfertigen oder erklären zu müssen.


Warum Validierung so wichtig ist


Jeder Mensch betrachtet die Welt durch seine ganz persönliche Brille. Diese Brille entsteht aus unseren Erfahrungen, unseren Beziehungen und den vielen kleinen und großen Erlebnissen, die unser Leben geprägt haben. Deshalb kann dieselbe Situation bei zwei Menschen völlig unterschiedliche Gefühle auslösen.


Aus systemischer Sicht gibt es deshalb keine Gefühle, die grundsätzlich richtig oder falsch sind. Gefühle entstehen immer in einem Zusammenhang. Wenn wir verstehen möchten, warum ein Mensch fühlt, wie er fühlt, lohnt es sich, neugierig auf seine Geschichte zu werden, anstatt seine Reaktion vorschnell zu bewerten.


Gerade dieses Verstandenwerden kann unglaublich entlastend sein. Denn häufig verändert sich zwar nicht sofort die Situation, wohl aber das Gefühl, mit ihr allein zu sein.


Wenn Validierung fehlt


Vielleicht kennst Du Sätze wie:


„Jetzt stell Dich nicht so an.“

„Andere haben viel größere Probleme.“

„So schlimm ist das doch gar nicht.“


Oft werden solche Aussagen gar nicht mit der Absicht gemacht, jemanden zu verletzen. Dennoch können sie genau das bewirken. Denn wer immer wieder erlebt, dass die eigenen Gefühle relativiert oder infrage gestellt werden, beginnt häufig irgendwann, auch sich selbst nicht mehr zu vertrauen.


Aus dem Gedanken „Ich fühle mich verletzt.“ wird dann vielleicht „Ich bin wahrscheinlich einfach zu empfindlich.“


Mit der Zeit kann daraus eine innere Haltung entstehen, die von Selbstkritik geprägt ist. Wir lernen, unsere Gefühle zu hinterfragen, bevor wir ihnen überhaupt zuhören. Genau an dieser Stelle beginnt häufig ein Kreislauf aus Unsicherheit, Selbstzweifeln und Scham.


Warum Validierung Beziehungen stärkt


Validierung verändert nicht die Vergangenheit und sie löst auch nicht jedes Problem. Was sie jedoch verändert, ist die Erfahrung, mit einer schwierigen Situation nicht allein zu sein.


Wenn ein Mensch erlebt, dass seine Gefühle ernst genommen werden, entsteht Sicherheit. Er muss sich nicht länger verteidigen oder beweisen, warum ihn etwas belastet. Stattdessen darf er erleben, dass sein Erleben einen Platz haben darf.


Der Psychologe Carl Rogers, einer der Begründer der personenzentrierten Psychotherapie, brachte diesen Gedanken mit einem Satz auf den Punkt, der bis heute nichts von seiner Aktualität verloren hat:

„Das merkwürdige Paradox ist: Wenn ich mich so annehme, wie ich bin, dann kann ich mich verändern.“

Veränderung entsteht selten durch Druck oder Kritik. Viel häufiger beginnt sie dort, wo Menschen sich angenommen fühlen und den Mut entwickeln, sich ehrlich mit sich selbst auseinanderzusetzen.


Eine Haltung, die unserer Gesellschaft guttun würde


Vielleicht ist genau das etwas, das wir in unserer Gesellschaft wieder häufiger brauchen.

Wir leben in einer Zeit, in der Meinungen schnell ausgesprochen werden und Bewertungen oft schneller entstehen als echtes Verständnis. In Gesprächen reagieren wir häufig mit Ratschlägen, eigenen Erfahrungen oder Vergleichen, obwohl unser Gegenüber vielleicht gar keine Lösung sucht.


Manchmal möchte ein Mensch einfach erzählen.


Einfach gehört werden.


Einfach erleben, dass seine Gefühle nicht sofort bewertet werden.


Vielleicht würden viele Konflikte anders verlaufen, wenn wir uns häufiger fragen würden:

„Was hat dieser Mensch erlebt, dass seine Gefühle für ihn gerade Sinn ergeben?“


Allein diese Frage verändert unseren Blick. Sie lädt dazu ein, nicht vorschnell zu urteilen, sondern neugierig zu werden. Und genau diese Neugier ist eine der wichtigsten Haltungen in der systemischen Beratung.


Validierung beginnt nicht erst bei anderen


Viele Menschen begegnen ihrem Umfeld mit Geduld, Verständnis und Mitgefühl. Sie hören zu, machen Mut und versuchen, andere zu stärken. Sich selbst begegnen sie dagegen oft deutlich strenger.


Der eigene innere Dialog ist geprägt von Selbstkritik, hohen Erwartungen und dem Wunsch, immer funktionieren zu müssen.


Vielleicht beginnt Validierung deshalb nicht erst im Gespräch mit anderen.

Vielleicht beginnt sie dort, wo wir aufhören, gegen unsere Gefühle anzukämpfen, und stattdessen beginnen, ihnen mit derselben Offenheit zu begegnen, die wir einem geliebten Menschen schenken würden.


Gefühle brauchen nicht immer sofort eine Lösung.

Manchmal brauchen sie zunächst einen Ort, an dem sie da sein dürfen.


Abschließende Gedanken


Der bekannte Familientherapeut Virginia Satir sagte einmal:

„Wir begegnen den Menschen nicht so, wie sie sind. Wir begegnen ihnen so, wie wir sind.“

Vielleicht steckt darin eine wertvolle Einladung. Je besser wir lernen, unsere eigenen Gefühle anzunehmen und zu verstehen, desto leichter wird es auch, anderen Menschen mit Offenheit und Verständnis zu begegnen.


Validierung bedeutet nicht, Antworten auf alles zu haben.

Sie bedeutet, einem Menschen das Gefühl zu geben, mit seinem Erleben nicht allein zu sein.


Vielleicht ist genau das eines der größten Geschenke, das wir uns gegenseitig machen können – in unseren Partnerschaften, Familien, Freundschaften und letztlich auch uns selbst.


Denn dort, wo Menschen sich gesehen und verstanden fühlen, entsteht oft etwas, das keine schnelle Lösung ersetzen kann:

Vertrauen!


Von Herzen alles Liebe

Steffi 


offen gesprochen. – Raum für Klarheit

Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
bottom of page