Schwanger – und plötzlich verändert sich nicht nur Dein Körper

Zwischen Vorfreude, Veränderung und einer ganz neuen Rolle
Alle fragen, wie es dem Baby geht. Aber wer fragt eigentlich, wie es Dir mit all dem geht?
Eine Schwangerschaft verändert vieles. Dein Körper verändert sich, Termine bei der Frauenärztin stehen an, vielleicht hast Du bereits Kontakt zu Deiner Hebamme und zwischen Vorsorge, Vorbereitung und all den gut gemeinten Ratschlägen beginnt langsam ein ganz neuer Abschnitt Deines Lebens.
Doch während von außen vieles sichtbar wird, passiert gleichzeitig etwas, das sich viel schwerer greifen lässt:
Du wirst nicht nur Mutter. Du beginnst, Dich selbst in einer neuen Rolle kennenzulernen.
Und das darf etwas mit Dir machen.
Wenn aus einer Frau langsam eine Mutter wird
Der Übergang zur Elternschaft wird auch fachlich als bedeutsame Lebensphase beziehungsweise Transition betrachtet. Mit einem Kind verändert sich nicht nur der Alltag. Beziehungen, Verantwortlichkeiten, Erwartungen und Rollen innerhalb eines ganzen Familiensystems beginnen sich neu zu sortieren.
Vielleicht freust Du Dich unglaublich auf Dein Kind und hast gleichzeitig Angst vor dem, was kommt. Vielleicht fragst Du Dich, was für eine Mutter Du einmal sein möchtest, was Du aus Deiner eigenen Familie übernehmen willst – und was ganz bewusst nicht.
Manchmal tauchen in dieser Zeit auch Fragen auf, mit denen man vorher überhaupt nicht gerechnet hat.
Werde ich eine gute Mutter sein?
Wie wird sich unsere Partnerschaft verändern?
Was bleibt eigentlich von meinem bisherigen Leben?
Wie möchte ich Familie leben?
Und wer bin ich, wenn plötzlich eine ganz neue Rolle dazukommt?
Solche Gedanken nehmen der Vorfreude nichts weg. Sie zeigen vielmehr, wie groß die Veränderung ist, die gerade stattfindet.
Du darfst Dich auf Dein Baby freuen und trotzdem unsicher sein
Rund um Schwangerschaft begegnen Frauen vielen Erwartungen. Es soll eine besondere Zeit sein. Du sollst Dich freuen, Deinen Körper genießen, Dich vorbereiten und Deinem Gefühl vertrauen.
Doch echte Gefühle halten sich selten an solche Vorstellungen.
Vorfreude und Angst können gleichzeitig da sein. Dankbarkeit und Überforderung ebenso. Vielleicht fühlst Du Dich an einem Tag Deinem Baby unglaublich nah und möchtest am nächsten einfach einmal wieder nur Du selbst sein.
Auch das darf sein!
Aus systemischer Sicht finde ich gerade diese Phase besonders spannend, weil mit der neuen Rolle häufig auch die eigene Geschichte wieder näher rückt. Vorstellungen von Mutterschaft entstehen schließlich nicht erst mit dem positiven Schwangerschaftstest. Wir tragen Bilder davon in uns – geprägt durch unsere eigene Familie, Beziehungen, gesellschaftliche Erwartungen und Erfahrungen.
Schwangerschaft kann deshalb auch eine Zeit sein, in der Du Dich fragen darfst:
Was bedeutet Muttersein eigentlich für mich – ganz unabhängig davon, wie andere es definieren?
Zwischen Frauenärztin und Hebamme darf auch Raum für Dich sein
Deine Frauenärztin begleitet die medizinische Seite Deiner Schwangerschaft, Deine Hebamme ist eine wichtige Ansprechpartnerin rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett.
Psychosoziale beziehungsweise systemische Beratung kann diese Begleitung ergänzen.
Nicht, weil mit Dir etwas nicht stimmt. Sondern weil es manchmal wohltuend ist, einen Ort zu haben, an dem es für einen Moment nicht um Untersuchungen, Geburtsvorbereitung oder die nächste To-do-Liste geht.
Sondern einfach um Dich.
Um Deine Gedanken. Deine Ängste. Deine Vorfreude. Deine Partnerschaft. Deine Familie. Deine Vorstellungen vom Muttersein und vielleicht auch um all das, was Du gerade noch gar nicht richtig in Worte fassen kannst.
Deine Zeit für Dich – in einer Lebensphase, in der sich plötzlich so vieles um jemand anderen dreht.
Eine Buchempfehlung zum Weiterdenken
Wenn Du Dich intensiver mit dem Übergang zur Elternschaft beschäftigen möchtest, ist „Handbuch Elternbildung – Band 1: Wenn aus Partnern Eltern werden“ von Wassilios E. Fthenakis, Martina Eckert und Michael Block fachlich sehr fundiert. Das Werk betrachtet den Übergang zur Elternschaft ausdrücklich als Entwicklungsprozess und verbindet wissenschaftliche Grundlagen mit der Veränderung von Partnerschaft und Familie.
Es ist allerdings eher ein Fachbuch als ein gemütlicher Schwangerschaftsratgeber. Gerade deshalb kann es interessant sein, wenn Du Dich tiefer mit den psychologischen und systemischen Veränderungen hinter dem Elternwerden beschäftigen möchtest.
Abschließende Gedanken
Vielleicht musst Du während Deiner Schwangerschaft nicht jede Frage beantworten und Dich auch nicht vom ersten Tag an vollkommen sicher in Deiner neuen Rolle fühlen.
Du darfst hineinwachsen.
In Deinem Tempo!
Denn Mutterwerden beginnt nicht erst mit der Geburt. Es ist ein Übergang, in dem sich vieles neu sortieren darf – Deine Beziehungen, Deine Vorstellungen von Familie und auch Dein Blick auf Dich selbst.
Und zwischen all den Gedanken an Dein Baby darf eine Frage weiterhin ihren Platz behalten:
Wie geht es eigentlich Dir?
Herzlich Steffi




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