Wenn innere Kritik alte Wunden berührt

Der innere Richter spricht einen Satz aus – doch in uns wird eine ganze Geschichte wach.
Vielleicht kritisierst Du Dich für einen Fehler und fühlst plötzlich eine tiefe Scham. Vielleicht reagiert jemand enttäuscht und sofort entsteht die Angst, nicht mehr geliebt zu werden. Oder Du hast das Gefühl, immer alles allein schaffen zu müssen.
Warum trifft uns unsere innere Stimme manchmal so tief?
Wenn der Richter auf das verletzte Kind trifft
In der Schematherapie wird davon ausgegangen, dass unterschiedliche innere Anteile in uns wirken. Der innere Richter trifft mit seinen Aussagen häufig auf das verletzte Kind – also auf den Teil, der alte Gefühle von Angst, Einsamkeit, Scham oder Ablehnung in sich trägt.
Wenn der Richter sagt:
„Du bist nicht gut genug“,
hört das verletzte Kind vielleicht:
„Ich werde nicht geliebt.“
Wenn der Richter sagt:
„Du darfst keinen Fehler machen“,
spürt das verletzte Kind möglicherweise:
„Wenn ich etwas falsch mache, werde ich abgelehnt.“
Und wenn der Richter sagt:
„Du musst das allein schaffen“,
bleibt das verletzte Kind mit dem Gefühl zurück:
„Ich darf niemanden brauchen.“
Unsere Reaktionen haben einen Sinn
Um diese schmerzhaften Gefühle nicht spüren zu müssen, entwickeln Menschen unterschiedliche Strategien.
Vielleicht ziehst Du Dich zurück. Vielleicht passt Du Dich stark an oder versuchst, alles perfekt zu machen. Vielleicht wirst Du wütend und abweisend, obwohl Du Dir eigentlich Nähe und Halt wünschst.
Was von außen manchmal widersprüchlich wirkt, kann innerlich einen guten Grund haben.
Solche Reaktionen waren möglicherweise einmal ein Versuch, Dich vor weiterer Verletzung zu schützen.
Heute dürfen wir neugierig darauf schauen:
Was hat mich gerade so tief getroffen?
Welche alte Befürchtung wurde wach?
Was versucht mein Verhalten zu verhindern?
Was hätte ich in diesem Moment eigentlich gebraucht?
Es geht nicht darum, Deine Reaktion zu verurteilen. Es geht darum, ihre Geschichte zu verstehen.
Denn hinter einem vermeintlich „schwierigen“ Verhalten steckt manchmal ein verletzter Anteil, der nicht noch mehr Kritik braucht.
Sondern Sicherheit, Verständnis und das Gefühl:
Ich bin nicht allein. Und ich bin auch mit meinen Gefühlen in Ordnung. Herzlichst Steffi offen gesprochen. - Raum für Klarheit




Kommentare